Digitaldruck vs Siebdruck – oder wie wir lernten die Stärken zweier Welten zu nutzen You are here: Home - Digitaldruck vs Siebdruck – oder wie wir lernten die Stärken zweier Welten zu nutzen
Digitaldruck Glas
Digitaldruck vs Siebdruck – oder wie wir lernten die Stärken zweier Welten zu nutzen
11 Nov, 2015. 0 Comments. Allgemein, Technologie. Posted By: TKR

„Herr Beckert, können Sie bis morgen unsere neue Eingabeeinheit bitte mit diesem veränderten Farbdesign liefern, wir haben eine Messe und brauchen nur einen  Prototypen zur Ansicht“. Es war vermutlich eine solche oder zumindest so ähnliche Anfrage, die Hoffmann + Krippner zu einer langwierigen Recherche veranlasste. Die Recherche endete vor einigen Wochen mit der Investition in eine bis dato nicht eingesetzte Technologie am Fertigungsstandort in Buchen im Odenwald: H+K, das Technologieunternehmen mit ausgewiesener Expertise im Siebdruck, sogar Ausbildungsbetrieb für Siebdrucker in der Region und vor vierzig Jahren aus der Keimzelle „technischer Siebdruck“ überhaupt erst entstanden, hat jetzt eine Digitaldruckmaschine im Einsatz – eine swissQprint Oryx2.

Digitaldruck Glas

Bedrucktes Glas

Noch jetzt hört man das Raunen der Belegschaft, als diese Erweiterung des Maschinenparks verkündet wurde. Zu groß waren die Qualitätsunterschiede zwischen den unterschiedlichen Druckverfahren für die speziellen Anwendungen im Hause Hoffmann + Krippner. Sollte das wirklich eine sinnvolle Investition in die Zukunft sein?

Der Siebdruck zeichnet sich neben Farbechtheit und Farbschichtdicke, vor allem durch seine Beständigkeit gegen verschiedenste Materialien aus. UV-Beständigkeit sind neben Abriebfestigkeit sowie der tadellosen Farbbrillanz Alleinstellungsmerkmale. Man kann den Siebdruck ohne Zweifel als das flexibelste und universellste Druckverfahren in Bezug auf Druckträger, Form und Druckformat bezeichnen. Nahezu unbegrenzt ist die Vielfalt der Materialien, die bedruckt werden können: Kunststoffe, Papier, Pappe, Folien, Metall, Glas, Holz und sogar Stoff, um nur einmal eine Auswahl zu benennen.

Hoffmann + Krippner nutzt den Siebdruck aber nicht nur für die Bedruckung von Frontfolien oder Plexiglas, sondern auch für elektrische  Schaltungen und ist somit die richtige Adresse für den Fachbereich Printed Electronics. Printed Electronics, also gedruckte Elektronik,  bezeichnet das Druckverfahren bei dem elektronische Bauelemente, Baugruppen und Anwendungen mittels Siebdruck auf neuartige Folien oder flexible Displays appliziert werden. Dabei werden elektrisch leitfähige Tinten und Pasten verarbeitet.

Bereits seit 1979 werden bei Hoffmann + Krippner elektrische Schaltkreise aus leitfähigen Silberpasten für Folientastaturen produziert. Im Laufe der Jahre hat das Unternehmen seine Kompetenz in der Siebdrucktechnologie permanent optimiert und die Ergebnisse verfeinert. So sind die von H+K hergestellten Bohrschutzfolien, welche als Manipulationsschutz in Bezahlsystemen eingesetzt werden, drucktechnische Meisterwerke. Ebenso werden elektrische Widerstände und Potentiometer im Hause H+K seit mehr als zwanzig Jahren gedruckt und in Eingabesysteme integriert.

Warum also eine Digitaldruckmaschine?

Um im Siebdruck einen Druck anzustoßen, bedarf es einiger Vorarbeiten. Designs müssen erstellt werden, Farben separiert und Filme ausbelichtet werden, um ein Sieb herzustellen. Dann folgt der Druck, lange Einrichtezeiten an der Maschine, hohe Rüstkosten, kurz um: Wenn schnell etwas gebraucht wird, ist das im Siebdruck nur bedingt möglich. Nun kommt der Digitaldruck ins Spiel. Für Einzelstücke und kleine Auflagen ist der Digitaldruck ideal. Aber die übliche Auflösung von 600dpi lässt doch zu wünschen übrig und die Optionen der Farbrezepturen sind im Vergleich zum Siebdruck doch sehr begrenzt, oder?

Es sein denn man findet einen Hersteller, dessen Maschinen Druckergebnisse liefern, die ausgewiesene Siebdruckexperten von ihren eigenen Produkten kaum noch unterscheiden können. Und mit dem Unternehmen swissQprint hat H+K  genau diesen Hersteller gefunden. Und eine Digitaldruckmaschine aus diesem Haus, die Oryx2, steht seit September auf dem Fabrikationsgelände in Buchen.

Digitaldruckmaschine swissqprint

Digitaldruckmaschine swissQprint Oryx2

Das Unternehmen aus der Schweiz hat sich erst Ende 2007 gegründet aber bis Mitte 2015 schon knapp 600 Digitaldrucksysteme installiert. Die Entwicklung der Anlagen erfolgt ausschließlich im eigenen Haus. Die Lieferanten kommen zum größten Teil aus der Schweiz, genau wie die rund 2200 Maschinenteile, die für die Herstellung einer Oryx2 nötig sind. Zum Ende 2014 hat sich die Belegschaft des Unternehmens mehr als verzehnfacht und der Anteil am Absatz für UV-Großformatdruckmaschinen beträgt in Westeuropa bereits 12%. Hier liegt man gleichauf mit dem Marktbegleiter Canon und hat bekannte Größen wie Fuji und Agfa bereits deutlich hinter sich gelassen. Und das hat mit der Qualität  und den Alleinstellungsmerkmalen der swissQprint -Maschinen zu tun.
Die Großformatdrucker können Medien von einer Größe bis zu 3,2 x 4 m und 50mm Dicke problemlos bedrucken. Bis zu neun Farbkanäle erhöhen das Farbspektrum deutlich und eine Auflösung 720dpi reicht aus für dünnste Linien, Farben und Formen. Bei dieser Auflösung werden 720 Punkte auf eine Fläche von 25,4 mm² gedruckt. Das sind 28 Punkte pro Quadratmillimeter. Das Tropfenvolumen liegt bei 9 Picoliter, dass sind 0,000000000009 Liter. Auch eine Mücke würde bei einer täglichen Getränkezufuhr dieser Größenordnung vermutlich schnell verdursten. Die Größe des einzelnen Tropfens wird mit 0,045 mm angegeben. Hier von Größe zu sprechen spottet der Bedeutung des Wortes. Beim Ausstoß der Tropfen pro Sekunde kann „groß“ aber im Sinne von „großartig“ wieder angewendet werden. 200 Millionen Tropfen pro Sekunde können den Druckkopf im besten Fall verlassen. Und wer Fine Art-Prints erstellen möchte, braucht nicht mehr zwingend Offset-Druck. Dieses hohe Qualitätsniveau zu erreichen, ist mit swissQprint-Grossformatdruckern ein Leichtes: Einfach das Druckfile für eine Fine Art-Anwendung rippen und an die Ausgabesoftware Amber übermitteln. Amber schaltet von sich aus auf 9 Picoliter-Tropfengrösse um und löst den Druck mit einer visuellen Auflösung von maximal 2160 dpi aus.

Diese Druckqualität,  erzeugt durch Auflösung und Farbverbindlichkeit, aber besonders auch der mögliche Einsatz von UV-beständigen Digitaltinten und das Bedrucken von Glas oder der Einsatz der Druckfarbe „WEISS“, waren wirklich überzeugende Argumente für die Anschaffung der Oryx2 von swissQprint. Keine, oder zumindest eine sehr schnelle Druckvorstufe und die kurze Einrichtzeit machen einen kurzfristigen Liefertermin für Muster und kleine Serien ab sofort möglich. Das große Farbspektrum sichert Farbgenauigkeit nach Kundenvorgaben. Die elektronische Aufbereitung der Daten sichert die Reproduzierbarkeit der Druckergebnisse. So wird der Digitaldruck den Siebdruck bei Hoffmann + Krippner nicht verdrängen können, eine optimale Ergänzung der Möglichkeiten und eine Verstärkung der Abteilung Druckerei ist durch diese Maschine aber allemal gegeben.

Und Herr Beckert wird in Zukunft auf die Eingangsfrage mit einem deutlichen „Ja, wir können das“ antworten.

About the Author

TKR
TKR Vertriebsentwicklung und strategisches Marketing verantwortet Thomas Krekeler. Für ihn ist Zuverlässigkeit die oberste Direktive einer langfristigen Kundenbeziehung.

Related Posts

Unsere Ausbildungsbotschafter mit Zertifikat
Engagierte Auszubildende ergattern Zusatzqualifikation
SIA HK Logo
SIA 2016 – Einblicke in das Ingenieursleben bei H+K
Erste Hilfe
Alle Jahre wieder! Ersthelfer-Training bei H+K
Finger betätigt Biegebalken
…dass sich die Balken biegen – Das Patent „Biegebalken“

No Comments Yet

Leave a Comment